Heinrich. Utopien in Gold und Rot

zeitgenössische Positionen zu Heinrich Vogeler im Jubiläumsjahr 2012


Ein Projekt von Künstlerinnen und Künstlern des BBK OHZ in Worpswede

 
 

Die Farbe Gold steht für den Jugendstil, da sie dort häufig Verwendung fand. Ein Beispiel dafür ist die Güldenkammer im Bremer Rathaus, die Vogeler als Gesamtkunstwerk vollständig mit seinen Entwürfen ausstattete. In den Jahren 1903-1905 führte er damit seinen spektakulärsten Auftrag aus.

Vogeler war mit seinem Jugendstilschaffen, das von der Grafik über Malerei und Design bis hin zur Architektur reichte, einige Zeit sehr erfolgreich. Seine Märchen-Melancholie in den Radierungen und Bildern bezauberte, denn sie war ohne Dramatik, aber reich an großen Gefühlen und Sentimentalität. Und mit seinen Entwürfen für Besteck, Geschirr, Möbel oder Gebäude entsprach der Künstler der Idee des Jugendstils von der Kunst auch im Alltäglichen.

In diesen frühen Jahren verfolgte er seine Utopie von der „Insel der Glückseligkeit“, die er auf dem Barkenhoff verwirklichen wollte. Er strebte nach einem Leben in Harmonie und Schönheit im Einklang mit der Natur. Sein Gestaltungsdrang umschloss den Kaffeelöffel ebenso wie Ehefrau, Haus und Garten.

Das Rot steht für Vogelers Bestrebungen, nach dem Niedergang des Jugendstils und seiner eigenen Schaffenskrise, Neues zu wagen. Zunächst zieht („flüchtete“) er freiwillig und naiv in den 1. Weltkrieg. Doch die erschütternden Kriegserlebnisse wandelten ihn zum Pazifisten. In seiner Enttäuschung richtete er gegen Ende des Krieges den pazifistischen Appell „Das Märchen vom lieben Gott“ an den deutschen Kaiser. Es folgten Haft und Irrenhaus.

Diese Erfahrungen wurden zum endgültigen Wendepunkt in Vogelers Leben. Seine Malerei wurde expressionistisch und der Barkenhoff Treffpunkt von Revolutionären, Sozialisten und politisch Verfolgten. In den folgenden Jahren erprobte er sozialistische Lebensformen wie die Barkenhoff-Kommune und Arbeitsschule, mit der er Pionierarbeit für die Reformpädagogik leistete. Er war Gründungsmitglied der „Roten Hilfe Deutschlands“, hielt Vorträge und verfasste politische Aufsätze. Schließlich aber musste er desillusioniert das Scheitern seiner Utopie von einer neuen Gesellschaft erkennen. 1920 verließ er Worpswede und suchte in der Sowjetunion nach neuen Möglichkeiten, seine Vorstellung vom menschlichen Kommunismus zu leben, zunächst nur zeitweise, 1931 dann endgültig.

Die Ausdrucksmittel der teilnehmenden Künstler sind Malerei, Grafik, Fotografie, Objekt und Skulptur. Willkommen zur BBK-Ausstellung zeitgenössischer Kunst in der Galerie ART99 im Kunstcentrum Alte Molkerei Worpswede.

HEINRICH.

UTOPIEN IN GOLD UND ROT


„Er war ein sogenannter „Moderner“, ein Worpsweder, der sich gar nicht so fremd und unartig und unmissverständlich benahm wie die anderen „Modernen“, ein Märchen-Maler, etwas eigenwillig zwar und merkwürdig, aber gerade nur so viel als not tut, um nicht langweilig zu werden. Aus dieser Stimmung entstand Heinrich Vogelers Bekanntheit, und sein Ruhm ist wie die meisten Ruhme ein Missverständnis, was von ihm nehmen muss, wer sein Freund ist.“

Rainer Maria Rilke, 1902

im Kunstcentrum Alte Molkerei

Osterweder Str. 21   27726 Worpswede

www.galerie-art99.de

Öffnungszeiten

Di - So 11 - 18 Uhr montags geschlossen

Unter diesem Titel nähern sich Künstlerinnen und Künstler des BBK Osterholz in Worpswede anlässlich ihrer Jahresausstellung im Jubiläumsjahr 2012 dem Leben und dem Werk Heinrich Vogelers.

Im Rahmen dieses Projektes greifen die Künstler pointiert einzelne Aspekte aus dem Leben Heinrich Vogelers auf und beleuchten sie aus heutiger Sicht und mit heutigem Wissen - was auch kritische Betrachtung nicht ausschließt.

Durch die verschiedenen künstlerischen Ansätze in der Auseinandersetzung mit Heinrich Vogeler, dessen kreative Ausdrucksformen und Lebensumstände so vielfältig waren, kommen interessante Sichten auf ein bewegtes Künstlerleben zustande. Die Farben Gold und Rot sind dabei verbindendes Element der zeitgenössischen Blicke zurück auf das Phänomen Heinrich Vogeler, das bis heute fasziniert.

Beginnend mit dem Jugendstil bis zu Vogelers Hinwendung zum Kommunismus werfen die Arbeiten ganz individuell und doch verbunden durch die Farbwahl Schlaglichter auf Phasen seines Lebens oder auch nur auf Einzelheiten in seinen Werken.